Schnell verlassen

So sieht eine erste Einschätzung aus

Ein erfundenes Beispiel — kein echter Fall, keine echte Person. Es zeigt nur, wie eine erste Einschätzung aufgebaut ist: ein Anliegen, und ein Auszug aus meiner Antwort darauf.

Womit sich jemand gemeldet hat

„Von außen läuft bei uns alles rund. Zwei Kinder, aufgeräumtes Haus, mein Mann arbeitet, ich halte alles zusammen. Ich liebe meine Kinder, wirklich. Und trotzdem weiß ich seit ungefähr zwei Jahren: Wenn ich noch einmal wählen könnte, würde ich nicht Mutter werden. Ich habe das noch nie jemandem gesagt. Nicht meinem Mann, nicht meiner Mutter, keiner Freundin — die würden es alle falsch verstehen, als würde ich meine Kinder ablehnen. Das tue ich nicht. Ich weiß nur nicht mehr, was mit mir ist. Nachts suche ich manchmal danach im Internet und lösche den Verlauf sofort wieder."

Meine erste Einschätzung — ein Auszug

Du schreibst, dass du seit zwei Jahren weißt, dass du dich für die Mutterschaft nicht noch einmal entscheiden würdest — und dass du gleichzeitig deine Kinder liebst. Du hältst den Alltag zusammen, nach außen stimmt alles, und genau deshalb hast du das Gefühl, kein Recht zu haben, das laut zu sagen. So habe ich dich verstanden; korrigier mich, wenn ich etwas falsch lese.

Ich sehe in deinen Zeilen zwei Dinge, die du gerade zu einem verknotest: die Liebe zu deinen Kindern und die Reue über die Rolle, die daraus geworden ist. Beides schließt sich nicht aus. Was du beschreibst, richtet sich nicht gegen die beiden Kinder, die du abends ins Bett bringst. Es richtet sich gegen ein Leben, das sich um dich herum eingerichtet hat, ohne dich je zu fragen, ob es so passt.

Eine erste Orientierung: Das, was du beschreibst, hat einen Namen — Regretting Motherhood — und du bist damit nicht die erste Frau, die mir schreibt. Es ist kein Zeichen dafür, dass mit dir etwas nicht stimmt. Die Frage, die sich lohnt, ist nicht „Darf ich das fühlen?", sondern: Was müsste sich in deinem Alltag ändern, damit die Rolle weniger schwer wiegt?

[ Hier bricht der Auszug ab. Die vollständige Einschätzung geht von hier aus weiter. ]

— Stefan

Jede echte Einschätzung ist so persönlich wie das, was du schreibst — und nur für dich lesbar.

Zurück zum Schreiben

Wenn etwas davon nach dir klingt: Du musst es nicht in die richtige Form bringen.

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